Bootshaus der Ruderer steht an der falschen Stelle

Anmerkung zu den im Diepholzer Kreisblatt am 02.10.2014 veröffentlichten Aussagen des Geschäftsführers des Unterhaltungsverbandes Hunte (UHV) Ingo Ammerich in der öffentlichen Sitzung des AS Stadt

Weil aufgrund des o. a. Artikels im Diepholzer Kreisblatt bei einigen Mitgliedern, die noch nicht so lange im Verein sind, sowie Freunden und Förderern der Ruderabteilung Fragen und Bedenken bzgl. unseres Bootshauses und der heimischen Gewässer aufgetreten sind, sehe ich mich veranlasst, hier im „Dümmerboten“ einige Dinge klarzustellen. Der Vorstand hat davon abgesehen, im Diepholzer Kreisblatt mit einem Leserbrief oder einer Gegendarstellung zu reagieren, um die sachliche Zusammenarbeit mit den Behörden und Verbänden nicht zu belasten.

Bereits seit 1972 wird der Rudersport auf den heimischen Gewässern betrieben. Im Jahr der Olympischen Spiele von München wurde im Fliegerhorst Diepholz durch Soldaten des MKZLw Nord eine Ruderriege gegründet. Das erste Domizil hatten diese Ruderer auf einer Tenne am Schoddenhof. Im Laufe der Zeit wurde das Interesse an dieser Sportart, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen so groß, dass man sich 1976 entschloss, die Ruderriege in eine eigenständige Ruderabteilung in die SG Diepholz von 1870 zu überführen. Seit dieser Zeit (1976) findet das Kinder-, Jugend- und Leistungstraining bereits auf der Lohne statt.

Der Bootspark vergrößerte sich und so war die Lagerung der Ausbildungs- und Rennboote am Schoddenhof nicht mehr möglich. Durch die großzügige Unterstützung der Familie Dittmer, die auf ihrem Hof in Eickhöpen eine Bootsremise errichtete, fand die Ruderabteilung erstmals am Dümmer einen festen, über ein Provisorium hinausgehenden Stützpunkt. Der Wunsch nach einem eigenen Bootshaus blieb aber weiterhin oberste Priorität.

Als es 1985 zur Dümmerkonferenz und anschließenden Informationsveranstaltungen wegen der geplanten Bornbachumleitung kam, habe ich dieses Forum genutzt und Fragen nach den Auswirkungen für die Lohne bzgl. Wassermenge, Wasserstand, Verschlammung und Verkrautung gestellt. Sowohl die Vertreter der Landesregierung als auch die Vertreter der Behörden und Verbände versicherten, dass es keine negativen Auswirkungen für die Lohne geben würde. Dies war u. a. der Grund, im  Jahr 1991 an der Lohne ein Grundstück zu pachten und ein auf diesem Grundstück stehendes Gebäude zu kaufen, um es zu einem attraktiven Bootshaus umzubauen. Die Einweihung fand, anders als in dem Artikel im Diepholzer Kreisblatt beschrieben, bereits 6 Jahre früher im Jahr 1994 statt.

Von der Gründungszeit bis zur Jahrtausendwende   gab  es  kaum   einschränkungen beim Rudern auf der Lohne. Die damaligen Geschäftsführer des UHV informierten uns, wenn kurzfristig der Wasserstand gesenkt werden musste, weil Arbeiten im Fluß oder an den Bauwerken durchzuführen waren oder der Landwirtschaft die Frühbestellung ihrer Flächen an der Lohne ermöglicht werden sollte. Gemäht wurde intensiv bis auf die Sohle, da die Lohne als Hauptabfluss des Dümmers für mögliche Hochwasser (Jahrhunderthochwasser) dient. Diese Tatsache schließt auch eine mögliche Verringerung des Querschnitts der Lohne, wie vom UHV-Geschäftsführer in der Ausschusssitzung vorgetragen, aus.

Die Gewässersituation änderte sich mit dem großen Fischsterben in der Lohne am 16.08.2001 schlagartig. Tonnenweise wurden tote Fische am Rathauswehr aus dem Wasser geholt.

Was war passiert? Am 15.08.2001 trainierten wir mit den Kaufleuten und Stadtoberen für das Herausforderungsrennen anlässlich der Dümmermeilenregatta. Schon beim Einsetzen der Boote rümpften die Teilnehmer ihre Nasen wegen des widerlichen Geruchs der absterbenden Blaualgen. Der stinkende Teppich zog sich vom Lohnewehr durch den Hafen des SCLD bis ca. 500 m in den Dümmer hinaus. Durch die westlichen Winde wurde der ganze Algenprütt zum Lohnetrichter gedrückt. Zwei Stunden später, bei der Rückkehr der Trainingsfahrt war alles verschwunden, kein Algenteppich mehr vorhanden. Eine Fischtreppe gab es damals beim alten Wehr noch nicht.

 

 

Das Bootshaus steht an der richtigen Stelle!

Ob Kinder- und Jugendtraining, Leistungsrudern oder wie hier beim Tag der offenen Tür zu Himmelfahrt - bei ausreichendem Wasserstand ist am Bootshaus immer was los.

Wo war der ätzende, Sauerstoff vernichtende Blaualgenteppich geblieben? Nun ja, jemand muss das Wehr geöffnet haben, damit die stinkende Algenbrühe verschwindet.

Wo war der ätzende, Sauerstoff vernichtende Blaualgenteppich geblieben? Nun ja, jemand muss das Wehr geöffnet haben, damit die stinkende Algenbrühe verschwindet.

Ergo: Das Fischsterben ist nicht durch die Wasserqualität der Lohne verursacht worden. Im Dümmer hatten die Fische die Möglichkeit in sauerstoffreichere Zonen auszuweichen. Diese Möglichkeit gab es auf der Lohne nicht. Der Sauerstoff vernichtende Blaualgenteppich hat die Fische bis zum Rathauswehr tot bringend vor sich hergetrieben. Ursache für diese Tragödie ist also ein Öffnen des Wehres und nicht die Wasserqualität der Lohne gewesen!

Seit diesem Vorfall bestimmt vermehrt der Umwelt- und Naturschutz die Wasserbewirtschaftung unserer heimischen Gewässer.

Im Jahr 2009 wurde die Bornbachumleitung vollzogen. Gem. Planfeststellungsbeschluss zur Bornbachumleitung heiß es: „Die Umleitung des Bornbachs ist darauf ausgerichtet, keine nachteilige Veränderung der Abflussverhältnisse zu bewirken“. So wurde es mir ja auch bereits 1985 zugesagt.

Seit der Umleitung fließt dem Dümmer aber ca. 25% weniger Wasser zu. Dieses Wasser fehlt natürlich auch der Lohne als Hauptableiter, was zu einer niedrigeren Fließgeschwindigkeit, sowie bei längeren Trockenphasen zu niedrigeren Wasserständen führt. Es ist festgelegt, dass die Wassermenge, die über das Wehr/Fischtreppe vom Dümmer in die Lohne geleitet wird, 300l/Sek betragen soll. In Trockenperioden, wenn mehr Dümmerwasser verdunstet als durch die Hunte zugeführt wird, ist dieses allerdings kaum möglich, wie im Zeitungsartikel richtigerweise beschrieben wurde. Selbst 300l sind bei dem Querschnitt für die Lohne schon zu wenig.

So verschlammt die Lohne immer mehr und die Verkrautung nimmt von Jahr zu Jahr zu. Dieses Kraut verbessert allerdings die Sauerstoffwerte und bietet den Fischen Schutz vor Feinden, wie Reiher und Kormuran. Gemäht werden darf das Kraut erst vier Wochen nach der Blühte, damit sich der Samen verteilen kann. Ein Großteil ist dann allerdings schon abgestorben und bildet Biomasse auf der Sohle. Ein weiterer Vorteil ist es (allerdings nicht für die Ruderer), dass bei einer möglichen Blaualgenbildung auf dem Dümmer, der stinkende Teppich der absterbenden Algen am Kraut hängen bleibt und es so in Diepholz nicht zu Geruchsbelästigungen kommt, wenn nicht durch besondere Maßnahmen am Wehr die Blaualgen am Einfluss in die Lohne  gehindert werden.

In intensiven, konstruktiven Gesprächen mit der Unteren Wasserbehörde, der Fischerei, den Wasserverbänden und dem Naturschutzbeauftragten konnten wir unsere Probleme vermitteln und haben einvernehmlich die Übereinkunft erzielt, dass eine Entkrautung der ganzen Sohle der Lohne von der Brücke L853 bis Brücke B51 Anfang Juli durch den UHV erfolgen soll. Dieses wurde auch so protokolliert und den Beteiligten am 25.06.2013 per Mail zugesandt. Im Gewässerunterhaltungsplan wurde daraufhin die Entkrautung des Bereiches Dümmer bis zur Brücke B51 für die 24. KW und die Entkrautung der Gesamtstrecke Dümmer bis zum Deutsches Eck für die 31. KW aufgenommen.

Wenn diese Termine eingehalten werden, ist unserer Ruderabteilung schon sehr geholfen und das Bootshaus steht weiterhin an der richtigen Stelle.

Im gesamten Landkreis Diepholz bietet einzig die Ruderabteilung der SG Diepholz von 1870 e.V. ruderinteressierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, diesen schönen und gleichzeitig gesundheitsfördernden Sport auszuüben. Es bleibt daher zu wünschen, dass auch in Zukunft alle Beteiligten gemeinsam danach streben, unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren die passenden Rahmenbedingungen für einen aktiven Ruderbetrieb auf der Lohne zu schaffen.

Überschwemmungsgebiet Lohne

Ob die mit Verordnung vom 30.09.2013 festgelegten Überschwemmungsgebiete bei fortschreitender Verkrautung der Lohne im Hochwasserfall noch ausreichen werden? Schließlich behindern die Massen an Kraut auch den Wasserabfluß. Südlich der Lohne reicht das Überschwemmungsgebiet entlang der Straße An der Masch bis zur Bebauung an der Alten Dorfstraße und nach Osten bis auf kleine Flächen bis an die B51. Lediglich die Sporteinrichtungen an der Straße Am Sportplatz, das Klärwerk und das Bootshaus ragen dann noch als Inseln heraus.

„Haus der SG-Ruderer steht an der falschen Stelle“

Zu wenig Wasser aus dem Dümmer für die Lohne / Gewässer-Probleme im Ausschuss

Die Problematik der Lohne ist vielschichtig. Neben dem insbesondere im Sommer zu niedrigen Wasserstand und dem für die Ruderer der SG schwierigen Verkrautung in Dümmer-Nähe ist auch das Wehr am Diepholzer Rathaus suboptimal, da für Fische nicht durchlässig.
Die Problematik der Lohne ist vielschichtig. Neben dem insbesondere im Sommer zu niedrigen Wasserstand und dem für die Ruderer der SG schwierigen Verkrautung in Dümmer-Nähe ist auch das Wehr am Diepholzer Rathaus suboptimal, da für Fische nicht durchlässig.

Die Ruderabteilung der Sportgemeinschaft (SG) Diepholz wird möglicherweise damit leben müssen, gar nicht oder nur noch mit Schwierigkeiten vor ihrem Bootshaus in Lembruch-Eickhöpen auf der Lohne trainieren zu können. Denn das Problem des starken Wasserpflanzen-Wuchses in den Sommermonaten bleibt offenbar auf Dauer erhalten. Kernproblem ist laut Ingo Ammerich, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Hunte (UHV), dass zeitweise nur 300 Liter Wasser pro Sekunde aus dem Dümmer in die Lohne geleitet werden.

 „Das Haus der SG-Ruderer steht an der falschen Stelle, denn die Trainingsstrecke auf der Lohne ist die falsche“, sagte Ammerich gestern Nachmittag in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt der Stadt Diepholz im Rathaus. Dort stand die Pflege der Diepholzer Gewässer auf der Tagesordnung.

Vor der Umleitung des Bornbaches hatten die SG-Ruderer das Problem an ihrem im Jahr 2000 eingeweihten Bootshaus in Lembruch nicht. Seit der Umleitung, die den Nährstoffeintrag in den Dümmer verringert, fehlt in dem See die Wassermenge des Bornbachs. Um einen gewissen Wasserstand zu halten, wurde die Einleitung aus dem Dümmer in die Lohne verringert. Bei dem niedrigeren Lohne-Wasserstand fällt aber mehr Licht auf den Grund des Fließgewässers. Das bewirkt eine höheres Wachstum der Wasserpflanzen, in denen sich die Ruder verhaken.

„Wenn wir mähen würden, würden wir gegen Auflagen verstoßen“, sagte Ammerich. Er erklärte, dass in diesem Jahr das geschützte Laichkraut stark gewachsen sei. Hätte der Unterhaltungsverband dieses gemäht, hätte sich die noch problematischere Pflanze „Wasserpest“ ausgeweitet.

Vorteil des Laichkrautes: Ab Anfang September stirbt es ab, so dass es zurzeit eine Ruderer-Trainingsmöglichkeit auf der Lohne geben würde. Doch jetzt ist die Saison vorbei.

Im Gespräch mit unserer Zeitung schlug der Unterhaltungsverband-Geschäftsführer vor, eine Verbindung von der Hunte, die genügend Wasser führe, zur Lohne zu schaffen.

Um der Problematik der Lohne-Verschlammung im Stadtgebiet von Diepholz bei der geringerem Wassermenge – mit zeitweise großer Geruchsbildung – zu begegnen, müsste der Querschnitt des Gewässers laut Ingo Ammerich verringert werden. Das erhöht die Fließgeschwindigkeit. Dann würden sich weniger Schwebstoffe ablagern.

Während die Verkrautung der Lohne positiv für die Fische ist, die mehr Laichmöglichkeiten finden, ist das Rathauswehr in Diepholz weiter problematisch: Es ist für Fische nicht durchlässig. Darauf wies Erich Drebbermüller, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Hunte II, in der Ausschusssitzung hin.

Die Lohne ist also in vieler Hinsicht problematisch.

 

Von Eberhard Jansen geschrieben und am 02.10.2014 unter www.kreiszeitung.de erschienen